Die Zukunft

Ich bin über 60 Jahre alt, pensioniert – und ich mache mir ständig Sorgen um die Zukunft. Allerdings nicht so sehr um meine eigene Zukunft, auch deswegen, weil meine eigene nicht mehr viel  Zukunft hat. Außerdem: Wenn nicht viel dazwischenkommt, steht mir ein gemütlicher Lebensabend bevor. Dass es gesundheitlich allmählich ungemütlich wird, steht auf einem anderen Blatt.

Trotzdem mache ich mir Sorgen um die Zukunft. Um die Zukunft unseres Landes, um die Zukunft unserer Enkel. Die Finanzkrise schüttelt die Welt und Klimaforscher erschrecken mit Untergangsszenarien die Menschheit.

Und dann ist da der Riesenschuldenberg.

Frühere Generation haben den Sinn ihres Lebens häufig darin gesehen, sich abzustrampeln, damit ihre Kinder es einmal besser haben. Diesen ehernen Grundsatz der Überlebensgeschichte der Menschheit hat meine Generation zum ersten Mal über Bord geworfen.

Sie hat sich selbst verwirklicht auf Kosten der nachfolgenden Generationen! Wir haben unser Wohlergehen auf Pump finanziert. Diese Generation der „Staatsknete“-Absahner, „Null-Bock“-Faulpelze und Weltbeglücker. Wir haben uns den Zaster für unser körperliches und seelisches Wohlergehen von den Enkeln gepumpt.

Da trösten auch die Sparbücher wenig, die ich für selbige angelegt habe.

Und wie sieht es mit den Zukunftsängsten bei den Enkeln aus?

Keine Spur. Nicht der Hauch von Sorge um ihre Zukunft! Optimistisch und tatendurstig sehen sie dem Leben entgegen, das auf sie zukommt. Irgendwie werden sie sich schon durchschlagen.

Sie verhalten sich in der Schule keinen Deut besser als ich, ich will das nicht weiter ausführen. Sie treiben Sport mit gesunden Gelenken, leben fröhlich in den Tag hinein und werden sich demnächst heillos verlieben.

Alles ist geregelt im großen Zug der Generationen. Die, die keine Zukunft mehr haben, machen sich Sorgen um diese, und die, die die Zukunft noch vor sich haben, kümmert sie wenig. Das hat der liebe Gott schon ganz gut eingerichtet und wenn ich mir diese Zusammenhänge so vor Augen führe, dann mache ich mir etwas weniger Sorgen um die Zukunft.