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Weihnachten oder Jesus hat Geburtstag

Zu Heiligabend letztes Jahr, die Nacht ist kalt, die Nacht ist klar,

Und oben überm Sternenzelt, der Weihnachtsbaum ist aufgestellt

Da findet eine Party statt, weil Jesus heut Geburtstag hat!

Man feiert diesen Festtag groß, im Himmel ist der Teufel los,

Denn alle kommen ihn besuchen, Maria backt n Riesenkuchen,

Der Himmelschor stimmt Händel an, und Joseph schleppt Geschenke ran,

Der Judas, der den Herrn verraten, schickt eine Gans als Festtagsbraten,

Der Heilige Geist ist auch schon da, er ist ja schließlich der Papa!

Von Luzifer kommt unerwartet, `ne angesengte Weihnachtskarte!

Vom Papst ein Glückwunschtelegramm, von Abraham ein Opferlamm,

Und vor dem großen Himmelstor, stehn heil`ge Könige davor.

Den Engeln wird es warm im Herzen, als Jesus bläst 2000 Kerzen,

Und weil es allen so gut schmeckt, spendiert Gottvater einen Sekt.

 

Doch Jesus ist ganz schlecht gelaunt, und Mama fragte ihn ganz erstaunt,

Was denn den Sohnemann bedrücke, was fehle am Geburtstagsglücke.

Darauf erwidert Gottessohn , „Naja, ich freue sich ja schon!

Doch wenn auf Erd die Glocken läuten, dann wäre ich gern bei meinen Leuten,

Da unten auf der runden Erde, dort wo ich angebetet werde!“

 

Maria sehr verständig war, sie streichelt ihm sein gülden Haar:

„Wenn du es gerne willst, dann fahr zum Weihnachtsfest im nächsten Jahr

Und feiere den Geburtstag dort, am Heil‘gen Abend mal vor Ort.“

 

2017 ist es soweit, wie Jesus sich auf Weihnacht freut!

Und als gerade Jesus Christ auf seinem Weg nach unten ist,

Da kommt ein großer Schlitten an mit laut Geläut und Elchgespann

Und obendrauf sitzt Santa Claus, der sieht genervt und hektisch aus!

Der Jesus hält den Schlitten an und sagt zum durchgefror´nen Mann:

„Fahr, lieber Weihnachtsmann, nach Haus und ruh dich dieses Jahr mal aus!

Ich fahre selbst zur Erde nieder und zeig mich dieses Jahr mal wieder!

Ich will den Menschen Frieden bringen, von dem sie Weihnacht immer singen!“

 

Der Weihnachtsmann schaut traurig drein „Ach Jesus, lass das lieber sein!

Das interessiert doch keinen mehr, Geschenke müssen reichlich her!

Kein Mensch denkt noch an Gottessohn, man denkt ans Notebook und ans Phone.

Den Kram schmeiß ich zum Schornstein rein, und alle werden friedlich sein!

Ach Gott, erspar dir das Gewimmel, kehr um und feiere du im Himmel!“

 

Der Jesus ruft Maria an und kündigt seine Rückkehr an:

„Ach Mama, back Geburtstagskuchen, ich hab auf Erden nichts zu suchen!

Kein Mensch will was von Frieden hören, sie wollen nur noch Fernsehröhren.

In Zukunft zieht´s mich nicht mehr her, ich fei‘re Weihnachten nicht mehr!!“

 

Trotzdem wünsche ich ein frohes Fest und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Die Parteilinie (Satire)

Hildesheimer Allgemeinen Zeitung 22.11.2017, S.1: „Steinmeier rügt die Parteien….“

(Dieser Blog entsteht gerade erst. Geduld! )

Seit meiner Zeit als Fußballer weiß ich, wie wichtig „Linien“ sind. Das gilt natürlich besonders für die „Torlinie“. Sie dient vor allem der Orientierung, denn jeder weiß, der Ball muss hinter diese Torlinie, alles andere ist unwichtig.

Noch interessanter als die „Torlinie“ finde ich allerdings die „Parteilinie“. Das Dubiose bei dieser Linie ist, dass einige sie sehen können (behaupten sie jedenfalls) und einige nicht. Die, die die Parteilinie kennen, nennen sich die Parteioberen. Die anderen, die diese Parteilinie noch nie wirklich zu Gesicht gekriegt haben, sind eigentlich arm dran. Sie müssen den Parteioberen glauben und vorgeben, diese Linie auch in sich fühlen. Um aber ganz sicher zu gehen, müssen sie den Parteioberen auf dem Fuße folgen, ganz dicht und in kleinen Schritten; sie müssen den Rücken leicht nach vorne beugen, die Augen auf den Boden halten und so tun, als ob sie die imaginäre Parteilinie auch sehen. Dabei sollten sie sich ganz vorsichtig bewegen, damit sie ja nicht aus Versehen von der Parteilinie abkommen.

Üblicherweise beherrschen Parteimenschen den Parteiliniengang – sich vorsichtig in gebückter Haltung vorwärts zu bewegen – ziemlich perfekt. Das erspart nicht nur Ärger und ist die beste Voraussetzung für die eigene Karriere, sondern es erspart auch das eigene Denken. Und weil das eigene Denken ausgeschaltet ist, merkt der einfache Parteimensch dann noch nicht einmal, wenn er im Kreis herumgeführt wird; oder gar an der Nase.

Die unsichtbare Parteilinie bezieht ihre disziplinierende Wirkung im Übrigen ja gerade daraus, dass man sie nicht sieht. Dadurch kann nämlich auch keiner nachprüfen, wie sie eigentlich aussieht und alle müssen dran glauben.

Gefährlich wird es für einen Parteimenschen, wenn er den sogenannten Parteioberen auf die Schliche kommt, weil er es mit eigenem Denken versucht hat. Noch gefährlicher wird es, wenn er dabei erkennt, dass die Partei gar keine Linie hat. Fortan gilt er als Abweichler, man versucht ihn weich zu kochen und wenn das nichts hilft, geht man mit Härte gegen ihn vor.

Deshalb hängt der Niedergang dieses Staates auch unmittelbar mit dieser ominösen „Parteilinie“ zusammen. Die, die den Staat führen sollen, müssen sich erst ganz lange mit diesem parteilinientreuen, gebückten Gang vorwärts bewegen, bis die vor ihnen Gehenden ausgedient haben. Dann trottet man selber voran und erwartet von den Nachfolgenden denselben Kriechgang, den man lange selbst praktiziert hat. Und wehe, es wagt einer…….

So sehe ich mich denn in allen Führungspositionen dieses Staates jenen parteilinienganggeschädigten Gestalten gegenüber. Um meiner Verzweiflung Herr zu werden, werde ich mir jetzt erst einmal einen schönen Linien – Aquavit genehmigen….

Diese Glosse ist auch erschienen in „Kleine Geschichten über Politik“, S.11-13″